Trends · 14.02.2024 · 5 Min. Lesezeit

Webdesign-Trends 2024: Was bleibt, was geht

Jedes Jahr im Januar erscheinen die gleichen Artikel. Überall werden die großen Webdesign-Trends des Jahres ausgerufen, und jedes Mal klingt es so, als müsste man sofort alles umbauen. Die Wahrheit ist nüchterner. Die meisten Trends sind keine Pflicht, und einige sind schon wieder verschwunden, bevor man sie überhaupt umgesetzt hat. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen, was davon im Alltag wirklich trägt.

Warum Trends mit Vorsicht zu genießen sind

Ein Trend ist erst einmal nur eine Beobachtung. Jemand sieht, dass viele Websites plötzlich ähnlich aussehen, und gibt dem Phänomen einen Namen. Das Problem beginnt, wenn aus der Beobachtung eine Vorschrift wird. Plötzlich glauben alle, eine Website ohne den Trend des Jahres sei altmodisch. Dabei ist das Gegenteil oft richtig. Wer jeden Trend mitnimmt, baut am Ende eine Website, die genauso aussieht wie tausend andere.

Gute Gestaltung folgt nicht der Mode, sondern dem Zweck. Eine Website für einen Steuerberater darf ruhig anders aussehen als eine für ein Modelabel, auch wenn beide im selben Jahr gebaut werden. Bevor du einen Trend übernimmst, frag dich, ob er deinem Projekt tatsächlich hilft oder ob du ihn nur einbaust, weil ihn gerade alle einbauen. Diese eine Frage erspart viele Fehlentscheidungen.

Was 2024 wirklich Bestand hat

Einige Entwicklungen sind keine Modeerscheinung, sondern echte Verbesserungen. Dazu gehört der Fokus auf Geschwindigkeit. Websites werden schneller, weil Nutzer und Suchmaschinen es verlangen, und das ist kein Trend, sondern eine dauerhafte Anforderung. Wer hier investiert, baut nicht für ein Jahr, sondern für die nächsten Jahre.

Auch der bewusste Umgang mit weniger ist gekommen, um zu bleiben. Aufgeräumte Layouts, großzügige Abstände und der Verzicht auf überflüssige Elemente machen Websites nicht nur schöner, sondern auch verständlicher. Das hat nichts mit Minimalismus als Selbstzweck zu tun, sondern mit Respekt vor der Aufmerksamkeit der Besucher. Eine Seite, die nicht überfordert, führt schneller ans Ziel.

Dunkle Farbschemata, die sich an die Systemeinstellung des Nutzers anpassen, haben sich ebenfalls etabliert. Sie sind angenehm für die Augen und wirken auf vielen Geräten hochwertig. Wichtig ist dabei nur, dass die Lesbarkeit nicht leidet. Heller Text auf dunklem Grund braucht ausreichend Kontrast, sonst wird aus dem eleganten Look schnell eine Zumutung.

Was schnell wieder verschwindet

Manche Trends sehen auf den ersten Blick spektakulär aus, halten der Praxis aber nicht stand. Aufwendige Animationen, die bei jedem Scrollen losgehen, wirken im Demo-Video beeindruckend, im Alltag aber schnell anstrengend. Sie verlangsamen die Seite, lenken vom Inhalt ab und nerven beim zweiten Besuch. Was einmal überrascht, stört beim fünften Mal.

Ähnlich verhält es sich mit ungewöhnlichen Navigationskonzepten, die sich bewusst von gewohnten Mustern abheben. Sie mögen originell sein, aber wenn ein Besucher erst lernen muss, wie die Website funktioniert, hat man schon verloren. Gute Navigation fällt nicht auf, weil sie sich an dem orientiert, was Menschen ohnehin erwarten. Originalität an der falschen Stelle kostet Nutzer.

Auch extrem verspielte Schriften und überladene Farbverläufe tauchen regelmäßig auf und verschwinden wieder. Sie geben einer Website kurzzeitig einen modischen Anstrich, wirken aber schnell veraltet. Wer auf zeitlose Gestaltung setzt, muss seine Website seltener überarbeiten und spart sich auf lange Sicht Arbeit und Geld.

Wie du mit Trends richtig umgehst

Der gesunde Mittelweg liegt zwischen blindem Mitmachen und sturem Ignorieren. Beobachte, was sich entwickelt, aber übernimm nur, was zu deinem Projekt und deiner Zielgruppe passt. Ein Trend, der für eine junge, designaffine Zielgruppe funktioniert, kann bei einer älteren oder konservativen Zielgruppe genau das Falsche sein.

Hilfreich ist es, Trends erst eine Weile zu beobachten, bevor man sie einsetzt. Was sich nach einem Jahr immer noch hält, ist meist mehr als eine Modeerscheinung. Was nach wenigen Monaten verschwindet, hätte man sich ohnehin sparen können. Diese Geduld zahlt sich aus, gerade wenn man nicht ständig die eigene Website umbauen möchte.

Am Ende zählt nicht, ob eine Website modern aussieht, sondern ob sie ihre Aufgabe erfüllt. Eine Seite, die schnell lädt, verständlich ist und die Besucher zum Ziel führt, ist auch in fünf Jahren noch gut, ganz unabhängig davon, welche Trends bis dahin gekommen und gegangen sind.

Trends entstehen oft aus technischen Möglichkeiten

Viele Trends sind keine reinen Geschmacksfragen, sondern Folge neuer technischer Möglichkeiten. Als Bildschirme besser wurden, kamen großflächige, hochauflösende Bilder in Mode. Als Browser flüssige Animationen erlaubten, tauchten sie überall auf. Wer versteht, woher ein Trend kommt, kann besser einschätzen, ob er bleibt. Trends, die echte technische Fortschritte nutzen, halten länger als solche, die nur modisch sind.

Ein gutes Beispiel ist die zunehmende Bedeutung von Geschwindigkeit. Sie ist kein ästhetischer Trend, sondern eine Antwort auf das Verhalten der Nutzer und auf die Bewertung durch Suchmaschinen. Solche Entwicklungen sollte man ernst nehmen, weil sie nicht von Geschmack abhängen, sondern von messbaren Vorteilen. Sie verschwinden nicht wieder, sie werden zum Standard.

Andere Trends entstehen dagegen, weil eine große Marke etwas vormacht und viele es nachahmen. Solche Nachahmungswellen verlaufen oft schnell wieder im Sand, weil das, was bei einer großen Marke mit eigenem Stil funktioniert, bei der Nachahmung beliebig wirkt. Wer hier vorschnell mitmacht, sieht am Ende aus wie eine schlechte Kopie.

Der Unterschied zwischen modern und zeitgemäß

Es lohnt sich, zwischen modern und zeitgemäß zu unterscheiden. Modern bedeutet, dem aktuellen Geschmack zu folgen, und der ändert sich ständig. Zeitgemäß bedeutet, auf der Höhe der heutigen Möglichkeiten und Erwartungen zu sein, ohne jeder Mode hinterherzulaufen. Eine zeitgemäße Website lädt schnell, ist auf dem Handy gut bedienbar und sieht aufgeräumt aus. Das bleibt richtig, egal welche Farben oder Formen gerade angesagt sind.

Wer sein Budget klug einsetzen will, investiert eher in das Zeitgemäße als in das Modische. Eine Website auf einem soliden, zeitgemäßen Fundament lässt sich über Jahre nutzen und bei Bedarf behutsam anpassen. Eine Website, die jedem Trend folgt, muss ständig überarbeitet werden und wirkt trotzdem schnell veraltet. Das eine ist eine Investition, das andere ein Fass ohne Boden.

Was das für den Award bedeutet

Bei der Bewertung im Rahmen des German Web Award spielt es keine Rolle, ob eine Website jedem aktuellen Trend folgt. Im Gegenteil: Die Jury achtet darauf, ob eine Arbeit eine eigene Handschrift hat und ihre Aufgabe erfüllt, nicht ob sie modisch ist. Eine zeitlos gestaltete Website, die schnell lädt und ihre Besucher überzeugt, hat bessere Chancen als eine, die nur kurzlebige Effekte aneinanderreiht.

Wer also überlegt, seine Arbeit einzureichen, sollte sich weniger fragen, ob sie modern aussieht, und mehr, ob sie gut gemacht ist. Diese beiden Dinge werden oft verwechselt, sind aber nicht dasselbe. Gute Arbeit überdauert Trends, und genau das ist es, was eine Auszeichnung wertvoll macht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Trends sind Beobachtungen, keine Vorschriften. Übernimm nur, was deinem Projekt hilft.
  • Geschwindigkeit und aufgeräumte Layouts sind gekommen, um zu bleiben.
  • Aufwendige Animationen und ungewohnte Navigation kosten oft mehr, als sie bringen.
  • Zeitlose Gestaltung spart auf Dauer Arbeit und wirkt länger frisch.

Baust du Websites, die das können?

Dann lass sie prüfen und trag bald das Siegel des German Web Award.